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Der Schauspieler Omar Sy und die Sängerin Christine and the Queens gehören zu den Unterzeichnern des offenen Briefes an den neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Fotos: AFP

Chaos in Calais: Offener Brief an Macron

Nachdem es im Oktober letzten Jahres offiziell abgerissen wurde, war es bis jetzt relativ still geworden um das Flüchtlingslager im Norden Frankreichs. Seit jeher ein Zankapfel der Politik, soll es nun Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron richten: In einem offenen Brief, der am 16. Juni im Bondy Blog veröffentlicht wurde, fordern berühmte Persönlichkeiten und verschiedene Organisationen ein Ende der Gewalt und bessere Lebensbedingungen für die rund 600 Flüchtlinge, die sich erneut vor Ort angesiedelt haben. Zu den Unterzeichnern gehören neben der Redaktion des Bondy Blogs der sozialistische Präsidentschaftskandidat Benoît Hamon, die Europaabgeordneten Jean-Luc Mélenchon und Yannick Jadot, sowie die Sängerin Christine and the Queens und der Schauspieler Omar Sy. Mehr als 20.000 Unterschriften hat die Aktion bereits auf der Plattform Change.org gesammelt.

Der Schauspieler Omar Sy und die Sängerin Christine and the Queens gehören zu den Unterzeichnern des offenen Briefes an den neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Fotos: AFP
Der Schauspieler Omar Sy und die Sängerin Christine and the Queens gehören zu den Unterzeichnern des offenen Briefes.    Fotos: AFP

Schwere Vorwürfe gegenüber der Polizei

Der Vorwurf wiegt schwer: Die Polizei stelle sich vor Ort Organisationen in den Weg, welche die Flüchtlinge seit ihrer Neuansiedlung mit dem Nötigsten, Wasser und Lebensmitteln, versorgen. Die Verfasser des Briefes schreiben, dass die Polizisten den Flüchtlingen „den Zugang zu Verpflegung“ verbieten würden. Sie fragen: „Wer gibt diese Befehle? Würdigt man seine Polizisten, indem man ihnen so unmenschliche Aufgaben erteilt?“

Der Brief greift in großen Teilen den Befund des „Défenseur des droits“ Jaques Toubon auf, der am Mittwoch seine Besorgnis zum Ausdruck brachte. Er sprach laut der AFP von „Verletzungen der Grundrechte“ der Migranten in Calais „eines außerordentlichen und nie dagewesenen Ausmaßes.“ Seiner Meinung seien sie einer „Art Treibjagd“ durch die Polizei ausgesetzt.

Schaffung einer menschenwürdigen Migrationspolitik

Nach der Regierung von François Hollande sehen die Unterzeichner des Briefes nun den neuen Präsident Emmanuel Macron in der Pflicht. „Sie haben die Macht, zu handeln, um diesem Zustand rechtzeitig ein Ende zu setzen“ schreiben sie, und fordern ihn dazu auf, „eine menschenwürdige Migrationspolitik zu schaffen.“

In der Onlineausgabe der französischen Tageszeitung „Le Monde“ fordern der deutsch-französische Publizist und Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit sowie der Regisseur Romain Goupil „eine schnelle Betreuung“ für die Asylbewerber.

„Die Wahl Emmanuel Macrons zum Präsidenten hat eine Hoffnung für die Situation der Flüchtlinge in Frankreich und Europa geweckt: Die einer menschenwürdigen Aufnahme derjenigen, die vor Verfolgung und Krieg fliehen“, schreiben sie dort. Es sei unmenschlich, diese mit dem Ziel, andere Flüchtlinge abzuschrecken, in den Straßen von Nizza, Paris oder eben Calais allein zu lassen. Ihrer Meinung nach seien auch Hilfsorganisationen „auf sich allein gestellt“ und „der Belästigung der Polizei“ ausgesetzt. Konkret fordern sie die Regierung dazu auf, sowohl im Norden in Calais, als auch an der italienischen Grenze in La Roya Busse einzusetzen, welche die Flüchtlinge an Orte bringen, wo sie untergebracht werden und Asyl beantragen können.

Keine Regierung wird jemals einen vor dem Tode, dor dem Hunger oder vor Unterdrückung fliehenden Menschen aufhalten können, dort hinzugehen, wo das Leben leichter ist.

„Es gebe, liest man, von staatlicher Seite die Absicht, die Flüchtlinge in Calais zu ignorieren. Aber es gibt noch einen größeren Anspruch. Den der Flüchtlinge, für sich und ihre Familien ein besseres Leben aufzubauen. Keine Regierung wird jemals einen vor dem Tode, vor dem Hunger oder vor Unterdrückung fliehenden Menschen aufhalten können, dort hinzugehen, wo das Leben leichter ist“, schreiben die Unterzeichner des Briefes.